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Tumult um das neue Arbeitszeiterfassungsgesetz

Zurzeit gibt es in der Arbeitswelt ein heiß diskutiertes Thema – die Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat ein Gesetz erlassen, welches die Dokumentation der Arbeitszeit von Arbeitnehmern vorschreibt. Das Gesetz gilt übrigens ab sofort und die dafür erforderlichen Maßnahmen, zur Erfassung der Zeit, sind vom Arbeitgeber zu tragen.

Doch das Urteil sollte eigentlich keine Überraschung sein, denn bereits 2019 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) den Mitgliedsstaaten bereits vorgeschrieben, Möglichkeiten zur Arbeitszeiterfassung zu schaffen. Dennoch sorgte die Mitteilung für viel Aufruhr in der Berufswelt, denn einige empfinden diese Entscheidung als einen Rückschritt für die „Arbeitswelt 4.0“ und befürchten unter anderem ein Ende der Vertrauensarbeitszeit und somit den Verlust der freien Einteilung der Arbeitszeit. Bei der Vertrauensarbeitszeit handelt es sich um ein ergebnisorientiertes Arbeiten, das das Erreichen eines Ziels, der strikten Einhaltung einer zeitlichen Vorgabe, vorzieht. Häufig findet sie während des Homeoffice Anwendung. Allerdings wird sich an der freien Gestaltung nichts ändern, denn es wird lediglich die Pflicht zum Dokumentieren der aufgebrachten Zeit eingeführt.

Auch für viele Industriebetriebe stellt das Gesetz keine große Neuerung dar, da hier die Arbeitszeiterfassung ohnehin üblich ist. Meist erfolgt die zeitliche Erfassung auch schon digital, wie zum Beispiel per App, was auch den Vergleich mit „Opas Stempeluhr“ hinken lässt.

Doch neben der ganzen Empörung sollte man eines nicht vergessen – das Gesetz dient dem Arbeitnehmerschutz und soll beispielsweise Ausbeutung durch den Arbeitgeber verhindern. Viele Menschen leisten aus unterschiedlichen Gründen unvergütete Mehrarbeit, wie zum Beispiel auf Baustellen. Tatsächlich gibt es auch eine erhöhte Burnout-Gefahr im Homeoffice, wenn die Arbeitnehmer ihre Ruhezeiten nicht einhalten. Der Arbeitgeber, der eine Fürsorgepflicht zu erfüllen hat, hatte hier bisher wenig Einfluss. Durch den Nachweis kann dieser nun Einschreiten und seine Mitarbeiter schützen. Wichtig ist es nun, erkenntlich zu machen, dass dieses neue Gesetz keinesfalls einen Rückschritt für die moderne Arbeitswelt darstellt, sondern primär eine Schutzfunktion erfüllt. Für beide Parteien gibt es nun einen fairen Abgleich zwischen den vereinbarten und den tatsächlich geleisteten Stunden, der aber nicht im Kontrast zum ergebnisorientierten Arbeiten steht.

 

Foto: © pixabay