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Ist die 4-Tage-Woche bei uns schon denkbar?

Viele Arbeitnehmer wünschen sich inzwischen kürzere oder flexiblere Arbeitszeiten. So steht die 4-Tage-Woche derzeit hoch im Kurs bei den Arbeitnehmern, denn mehr als drei Viertel der Beschäftigten könnten sich einen Tag weniger Arbeit pro Woche vorstellen, ganz im Sinne der Arbeitswelt 4.0 und der Verbesserung der Work-Life-Balance. Im Gegensatz dazu stehen Aussagen der Politik, die durch den demographischen Wandel sowie den Fachkräftemangel zu Überstunden, längeren Arbeitszeiten und einem höheren Renteneintrittsalter aufrufen.

In anderen Ländern wie Belgien und Island hat man die Vier-Tage-Woche mit verschiedenen Modellversuchen getestet: Gleichbleibende tägliche Arbeitsstunden, bei weniger Gehalt oder längere tägliche Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt. Ziel ist es für eine höhere Beschäftigungsquote zu sorgen und den Arbeitsmarkt attraktiver zu gestalten, gerade für die jüngere Generation. In den Pilotprojekten zeigte sich außerdem, dass sich, anders wie man vielleicht vermuten würde, die Produktivität und Effizienz in der 4-Tage-Woche gesteigert hat. Erreicht wurde das unter anderem durch ein Umgestalten der Arbeitsroutinen und Prozessverbesserungen. Zudem meldeten sich die Arbeitnehmer weniger krank, da der Stresslevel deutlich reduziert wird, was sich auf lange Sicht gut auf die Gesundheit auswirkt. Die persönliche Erholung verbessert sich maßgeblich und der weitere freie Tag wird für private Termine oder Erledigungen genutzt, die sonst noch am Ende eines Arbeitstages erledigt werden müssten.

Für wen eignet sich die 4-Tage-Woche?

Tendenziell ist eine Einführung in vielen Branchen denkbar, wäre jedoch in produzierenden Unternehmen oder dem Pflege- und Gesundheitswesen mit höheren Kosten für den Arbeitgeber verbunden, da für zusätzliches Personal gesorgt werden müsste.   

Unternehmen, die sich für die 4 -Tage-Woche entscheiden, werden künftig deutlich begehrter werden und im Kampf um die Fachkräfte die Nase vorn haben, da viele Arbeitnehmer derzeit schon am Limit arbeiten und dieses Modell deutlich attraktiver ist. Aufgrund der steigenden Inflation und der unsicheren Lage der Märkte wäre eine gesetzliche Einführung jedoch in den meisten Augen der Arbeitgeber und Politiker derzeit ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Beim nächsten bevorstehenden wirtschaftlichen Aufschwung wäre es aber gut möglich, dass das Thema auch bei uns noch spruchreifer wird und eine reelle Chance erhalten wird. Sobald es genug große Firmen geben wird, die den Weg der 4-Tage-Woche beschreiten, werden weitere folgen. So lange müssen derartige Regelungen individuell in den Arbeitsverträgen ausgehandelt werden.

Wenn es so weit sein wird, wird es zu beachten gelten, eine Übergangsphase einzurichten und alle Arbeitnehmer eines Unternehmens miteinzubeziehen, um interne Konflikte zu vermeiden und das Team zu stärken. Geschäftspartner und Kunden sollten rechtzeitig über eine Umstellung informiert werden und nicht zuletzt müssen die Arbeitgeber mit einem guten Vorbild voran gehen und an ihren freien Tagen weder auf Nachrichten noch E-Mails antworten, um ihrer Entscheidung zur Einführung der 4-Tage-Woche Nachdruck zu verleihen.

 

Foto: © pixabay